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"Den Stein ins Rollen bringen"
Hochkarätiges Teilnehmerfeld auf der 3. Fachtagung zum geplanten GeoPark Westerwald-Lahn-Taunus
„Dem Höhlenbär auf der Spur“: So der Titel der Fachtagung am 3. November in Breitscheid-Erdbach, die einen weiteren Schritt hin zu einem GeoPark Westerwald-Lahn-Taunus markierte. Die Veranstaltung des Westerwaldvereins e. V. zielte auf eine stärkere Zusammenarbeit mit den Abbauunternehmen der Region. Am Beispiel der Breitscheid-Erdbacher Höhlen, eines der größten Karsthöhlensysteme Deutschlands, und des ihnen benachbarten Kalksteinwerks Medenbach der CEMEX Deutschland AG zeigten die Referenten, wie sich Rohstoffgewinnung, Höhlenforschung und touristische Nutzung in Einklang bringen lassen. Das Teilnehmerfeld umfasste Karl-Winfried Seif, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz, den Gießener Regierungspräsidenten Wilfried Schmied und hochrangige Vertreter von Kommunen, Behörden und ver-schiedenen hessischen Institutionen.
Nach der Begrüßung durch Roland Lay, den Bürgermeister der Gemeinde Breitscheid, hielt Staatssekretär Karl-Winfried Seif das Einführungsreferat „Den Stein ins Rollen bringen“: „Auf spannende Zeitreise durch 400 Millionen Jahre Erdgeschichte im Westerwald und Taunus gehen, dies könnte schon möglich werden, wenn die Idee einer länder- und kreisübergreifenden Initiativgruppe zur Einrichtung eines GeoParks in der Region wahr wird.“ In einem GeoPark stehe das geologische Naturerbe im Vordergrund. Diese Zeitzeugen, ebenso wie archäologisches, historisches und kulturelles Erbe von überregionaler Bedeutung, seien in der Region Westerwald-Taunus reichlich vorhanden. Ziel eines GeoParks sei es, die nachhaltige Entwicklung einer Region auf allen Ebenen und in allen Bereichen durch verantwortungsvolle Nutzung ihrer Ressourcen zu fördern. „Dazu muss das Engagement von Institutionen, Wirtschaft und Kommunen angestoßen und zusammengeführt werden, denn ein GeoPark besteht aus einem Netzwerk, das von unten getragen und nicht von oben verordnet werden kann.“ Vielmehr, so betonte Staatssekretär Karl-Winfried Seif, gelte hier der Grundsatz „Schutz durch Nutzung“, und im Unterschied zu Schutzgebieten würden den Bürgern und Unternehmen keine Beschränkungen auferlegt.
| Die Referenten zeigten am Beispiel der Breitscheid-Erdbacher Höhlen und des Kalksteinwerks Medenbach, wie sich Rohstoffgewinnung, Höhlenforschung und Tourismus in Einklang bringen lassen. |
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Dr. Ulrike Mattig vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ging in ihrem Beitrag auf die Bedeutung der hauptsächlich durch Gesteinsabbau entstehenden geologischen Aufschlüsse ein, die erst Einblicke in die Erdgeschichte ermöglichten und somit einen große Bedeutung für Forschung und Lehre sowie für den Tourismus hätten. Sie seien wesentliche Bausteine eines künftigen GeoParks.
Thomas Keller vom Hessischen Amt für Denkmalpflege hob die wissenschaftliche Bedeutung der Breitscheid-Erdbacher Höhlen hervor. Er schilderte anschaulich einige der bereits vorliegenden Forschungsergebnisse.
Dipl.-Geograph Thilo Orgis, Projektmanager bei der CEMEX Kies & Splitt GmbH, erläuterte den Beitrag des Kalksteinwerks Medenbach zum Erhalt des überregional bedeutsamen Karsthöhlensystems im Vorfeld des Tagebaus. Er beschrieb den Weg von der Konfrontationssituation zwischen Höhlenschützern und Kalksteinwerk Mitte der 1990er Jahre hin zur 1999 gemeinsam mit allen Beteiligten erreichten Lösung. Diese beinhaltet einen Verzicht auf genehmigte Abbaubereiche, in denen wesentliche Teile des entdeckten Höhlensystems liegen. Im Gegenzug wurden Flächen für den Abbau freigegeben, die die Abbaugenehmigung zuvor nicht umfasst hatte. Zudem vereinbarten die Gemeinde Breitscheid und das Kalksteinwerk den Tausch von Eigentumsgrundstücken. Damit war der Weg frei für eine naturschutzrechtliche Unterschutzstellung weiter Teile des bedeutsamen Höhlensystems und für die Einrichtung einer Schauhöhle durch die Gemeinde. Hierbei boten die Experten das Kalksteinwerks Medenbach fachlichen Rat, wofür sich Bürgermeister Roland Lay im Rahmen der Tagung ausdrücklich bedankte.
Staatssekretär Karl-Winfried Seif betonte zum Abschluss, dass der im Fall der Breitscheid-Erdbacher Höhlen beschrittene Weg vorbildlich sei für den Umgang zwischen rohstoffgewinnender Industrie und anderen Interessengruppen. Allein durch „Kooperation statt Konfrontation“ könnten letztendlich klassische Win-Win-Situationen entstehen.
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