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Gut bedacht: Das neue Kongresszentrum in Darmstadt
LöschGruppe liefert unterstützungsfreie Teilfertigdecke für Hauptsaal des „darmstadtium wissenschaft + kongresse“
Wenn im Dezember 2007 das „darmstadtium“ seine Tore öffnet, kann sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt eines der modernsten Wissenschafts- und Kongresszentren Europas rühmen. Ein multifunktionales Raumangebot, eine effiziente Tagungs- und Seminartechnik, großzügige Foyerflächen und seine direkte Nachbarschaft zur Technischen Universität Darmstadt werden den 18.000-Quadratmeter-Komplex zum idealen Ort machen für wissenschaftliche Kongresse und Tagungen, Unternehmenspräsentationen, Hauptversammlungen, Messen und kulturelle Veranstaltungen.
Der Name des neuen Kongresszentrums ist eine Hommage an eine aufsehenerregende Entdeckung der Darmstädter Gesellschaft für Schwerionenforschung: Die renommierte Forschungseinrichtung des Bundes hatte 1994 das 110. Element des Periodensystems entdeckt – eine wissenschaftliche Sensation. Der Stadt zu Ehren firmiert das Element seit Dezember 2003 weltweit in den Chemielehrbüchern als „Darmstadtium“.
Das Herzstück des Veranstaltungszentrums, der große Kongresssaal, wird vollkommen ohne Stützen und Zwischenwände auskommen und bei Reihenbestuhlung fast 2.000 Personen Platz bieten. Da die Sitzplätze komplett auf Hubpodien angeordnet werden, können Veranstaltungswechsel schnell vollzogen werden.
| Das neue Veranstaltungszentrum ist als lebendiger Ort der Kommunikation und Begegnung im Herzen der Stadt konzipiert (Grafik: maila-push GbR). |
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Die LöschGruppe, auf Fertigteile spezialisierte Tochter der CEMEX Deutschland AG, liefert für den großen Kongresssaal zurzeit 1.950 Quadratmeter Montaquick-Decken, unterstützungsfreie Stahlbetonplatten für Teilfertigdecken. Sie werden in 18 Metern Höhe freitragend auf einer Stahlkonstruktion verlegt. Die Bauunternehmung Leonhard Weiss GmbH & Co. KG, Satteldorf, führt den Rohbau aus.
Mitarbeiter der LöschGruppe konzipieren und fertigen die Betonbauteile im Werk Mainz-Bischofsheim. Matthias Lies, Leiter des Technischen Büros: „Wir haben bis Ende Juli bereits 800 Quadratmeter Deckenfläche für einen kleineren Saal geliefert, und seit Mitte August wird jetzt die Decke des großen Kongresssaals montiert. Die besondere Forderung an diese Decken ist neben der geringen Stärke von 16 Zentimetern die weite Unterstützungsfreiheit von 4,50 Metern. Hierfür wurde das System Montaquick gewählt.“
Eine Montaquick-Decke besteht aus herkömmlichen Großflächenplatten in Kombination mit speziellen Gitterträgern. Dieser Gitterträger mit einem Blechkasten als Obergurt-U-Profil, ca. 4 Zentimeter hoch, 16 Zentimeter breit –, der an der Deckeoberkante über die gesamte Länge der Platte verläuft, wird bereits im Werk während des Betonierens der Platte mit ausbetoniert. Er gewährleistet eine größere Montagesteifigkeit der Großflächenplatte: Die Druckkräfte, die beim Einbau und beim Betonieren der Decke auftreten, werden durch den Beton aufgenommen und die Zugkräfte durch den Stahl in der Platte. So kann ein Bauunternehmen mit Montaquick Stützweiten bis zu 5,25 Meter ohne Montagestützen erzielen.
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Gitterrostebene unter der Decke: Die Kanten der Montaquick-Deckenplatten liegen in 4 Zentimetern Breite auf den Stahlträgern auf. |
Die Deckenplatten für den großen Kongresssaal des darmstadtiums bestehen aus Beton der Güte C 25/30, sind 2,50 Meter breit, 3,40 bis 4,50 Meter lang und 5 Zentimeter stark. Die Oberseite der Deckenplatten wird mit einer 11-Zentimeter-Lage Ortbeton vergossen, damit die Decke ihre endgültige Stärke erreicht. Zugleich verbindet dieser Aufbeton die Fertigteilplatten miteinander. Die Oberseite der Decke wird anschließend gedämmt und abgedichtet, die Unterseite abgehängt.
Der Entwurf des Architekturbüros Chalabi, Wien, ist anspruchsvoll und sieht auch für die Decken komplexe Geometrien vor. Der große Kongresssaal ist zwar annähernd rechteckig, doch liegt jeder Eckpunkt der Decke auf einem anderen Höhenniveau – die Deckenfläche ist vielfach geneigt.
Matthias Lies: „Üblicherweise genügen zweidimensionale Pläne für die Konzeption von Deckenflächen. Bei diesem Bauwerk und bei dieser Schräge der Decken allerdings haben wir die Pläne im 3-D-Modell angelegt, um die wahre Länge der Bauteile feststellen zu können.“ Die Bautechniker Katrin Schmittbauer und Armin Fix setzten die Anforderungen des Bauunternehmens unter Anleitung von Matthias Lies mittels AutoCAD IDAT in Konstruktionspläne um.
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Während der Bauarbeiten wurden Reste der mittelalterlichen Stadtmauer und Teile eines historischen Wehrturms entdeckt. Sie werden in das hochmoderne Veranstaltungszentrum integriert. |
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Die Kanten der Deckenplatten liegen in einer Breite von 4 Zentimetern auf den Obergurtflanschen einer Stahlkonstruktion der Donges Stahlbau GmbH, Darmstadt, auf. Zur Dachkonstruktion des großen Kongresssaals gehören vier Fachwerkbinder mit einer Länge von ca. 35 Metern, einer Höhe von ca. 3,5 Metern und Stückgewichten bis zu 10 Tonnen. Die beiden größten Fachwerke sind ca. 37 Meter lang und 7,5 Meter hoch; sie haben Stückgewichte von ca. 35 Tonnen. Nachdem ein nächtlicher Sondertransport die überdimensionalen Stahlbauteile durch die Innenstadt zur Baustelle geliefert hatte, hob ein 500-Tonnen-Telekran sie an den Ort ihrer Montage. Während des Einbaus musste die angrenzende Alexanderstraße teilweise gesperrt werden.
Auch die Deckenplatten baut das Rohbauunternehmen aus logistischen Gründen nachts ein, tagsüber ist der Kran für Betonagen und andere Gewerke reserviert. Für die nächtlichen Arbeiten liegt eine Erlaubnis der Stadt vor, zumal die Geräuschentwicklung beim Einbau der Fertigteile minimal ist.
Matthias Lies: „Mittlerweile ist der Rohbau fast abgeschlossen. Dem Oberbauleiter Jörn Weichsel und dem Bauleiter Siegfried Eichinger von der Firma Leonard Weiss war unser Deckensystem Montaquick schon hinreichend bekannt, so hat die Abstimmung gut funktioniert. Es hat sich allerdings als sinnvoll erwiesen, dass wir im Vorfeld ein Deckenmodell im Maßstab eins zu eins gefertigt haben, eine Deckenplatte von 30 mal 30 Zentimetern mit einem integrierten Träger. So konnten wir die Kompliziertheit der Konstruktion anschaulich darstellen, und manch einer hat sich gewundert, wie dünn eine Deckenplatte von 5 Zentimetern Stärke eigentlich wirkt.“
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