|
Die größte straßenbauliche Maßnahme von Neuss
Stadtwerke fordern schnellen Baufortschritt und minimale Lärm-Emission: Rückverfüllung von Leitungsgräben mit verdichtungsfreiem „füma boden“
Seit Januar dieses Jahres erlebt die Stadt Neuss ihre bisher mit Abstand größte straßenbauliche Maßnahme: Die Einkaufsmeile zwischen Hauptbahnhof und Landestheater wird für die täglichen 30.000 Besucher attraktiver gestaltet. Die Straßenbahn wird streckenweise nur noch einspurig fahren, auch der Straßenbelag wird ausgetauscht und ein neues Beleuchtungskonzept eingeführt. Die Innenstadt der niederrheinischen Großstadt soll in neuem Glanz erstrahlen.
Weit weniger augenfällig aber fast noch wichtiger sind die Baumaßnahmen unter dem Pflaster des Neusser Hauptstraßenzugs. Die Rohre des zentralen Schmutz- und Regenwassersystems stammen zum Teil noch vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts – sie werden auf ca. 1.050 Metern erneuert oder saniert. Bei dieser Gelegenheit lässt die Stadtwerke Neuss Energie und Wasser GmbH (swn) auch 400 Meter ihrer Hauptrohre für Gas- und Wasserleitungen neu verlegen. In die Sanierungsmaßnahme einbezogen sind etwa 110 Hausanschlüsse für die Gas- und Wasserversorgung und 200 Hausanschlüsse für die Abwasser- und Regenwasserableitung. Sie werden ersetzt bzw. wieder an die Sammler oder Hauptrohre angeschlossen.
 |
Baumaßnahme im Herzen der Stadt: Ein Fahrmischer von CEMEX Deutschland vor dem Neusser Rathaus |
Der Zeitplan ist ehrgeizig: Schon bis Anfang Dezember, nach nur elf Monaten Bauzeit, sollen die Sanierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen zwischen Krefelder- und Oberstraße komplett abgeschlossen sein. Deshalb wird das komplexe Großprojekt aus zwei Richtungen und in verschiedenen Bauabschnitten gleichzeitig in Angriff genommen. Neben einem präzisen Timing fordert der Auftraggeber von den Baubeteiligten, die Anwohner und gewerblichen Anlieger der innerstädtischen Großbaustelle möglichst wenig in Mitleidenschaft zu ziehen und Lärmbelästigung weitgehend zu vermeiden.
Aus diesem Grund dient füma boden, ein ohne mechanische Verdichtung äußerst geräuscharm einzubauender Verfüllbaustoff der CEMEX Deutschland AG, zur Rückverfüllung eines großen Teils der Leitungsgräben sowohl der Abwasserkanäle als auch der Gas- und Wasserleitungen.
„Vertretern der Stadtwerke Neuss war unser selbstverdichtender Verfüllbaustoff von einer Produktvorführung im vergangenen Herbst bekannt“, erläutert Benedikt Jata, Projektleiter Spezialbaustoffe Geschäftsbereich Transportbeton Region Nordrhein-Euregio der CEMEX Deutschland AG. „Sie meinten, füma boden könne mit seinen Eigenschaften jetzt bei der Sanierung des Leitungsnetzes in Neuss gute Dienste leisten. Der Einbau dieses Spezialbaustoffs ist einfach und weitgehend geräuschlos, und das Ergebnis ist eine hochwertige Verfüllung. Durch dieses System erhöht sich die Dauerhaftigkeit des Kanals.“ Der sehr fließfähige und weitestgehend selbstnivellierende Verfüllbaustoff dient speziell zur Einbettung von Rohrleitungen und zum Verfüllen von Gräben.
|
2.000 Kubikmeter des fließfähigen Verfüllbaustoffs füma boden kommen bei der Sanierung des Leitungssystems zum Einsatz |
 |
Vom Bereich des Bahnhofs aus erneuerte die Gebrüder Kickartz GmbH zwischen Januar und März die Gas- und Wasserleitungen und die dazugehörigen Abzweige für die Hausanschlüsse. Zur Rückverfüllung des Leitungsgrabens verwendete das Krefelder Unternehmen etwa 1.000 Kubikmeter füma boden, und bei der Vielzahl einander überlagernder Leitungen zeigte der fließfähige Verfüllbaustoff seine Vorteile. CEMEX Deutschland lieferte den füma boden aus dem Transportbetonwerk Dormagen per Fahrmischer „just in time“ auf die Baustelle, wo er direkt über die Rutsche des Fahrzeugs eingebaut wurde. Die Baustofffachleute von CEMEX Deutschland standen dem Tiefbauunternehmen mit ihrer Erfahrung beratend zur Seite. Die 225-Millimeter-PE-Rohre liegen in einer Tiefe von 1,20 bis 2 Metern. Um ihr Aufschwimmen zu verhindern, lieferte CEMEX Deutschland zunächst ein steiferes Material, mit dem in regelmäßigen Abständen Haltebrücken auf den Rohren angefertigt wurden, und erst anschließend füma boden in der üblichen Konsistenz, der die Leitungen dann hohlraumfrei ummantelte.
swn-Mitarbeiter Johannes Steinhauer, Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Hauptstraßenzug: „Das Material zeigte große Vorteile beim Einsatz im Hauptstraßenzug. Für den im Sinne des Wortes ‚sauberen Bauablauf‘ haben wir viel Lob erhalten. Durch die flüssige Konsistenz des Baustoffs konnte auf Bagger und Rüttelplatten verzichtet werden. So entstanden wesentlich weniger Geräuschbelästigungen. Auch eine zusätzliche Verschmutzung durch Sand in den Kaufhäusern haben wir vermieden. Darüber hinaus konnte man bereits nach kurzer Trockenzeit mit dem Asphaltieren beginnen oder die Fläche befahren.“ Die schnelle Abbindezeit habe die Bauzeit verkürzt und die Störung der Anlieger und des öffentlichen Verkehrs minimiert. Weiterhin habe man mit füma boden die Eigenschaften des Baugrunds – er ist durch Leitungen und stellenweise auch durch historische Bodenfunde beeinträchtigt – für die Folgegewerke verbessert. „Diese Vorteile kann auch der Regen- und Schmutzwasserkanalbau nutzen.“
Die Sanierung des als Trennkanalisation ausgeführten Schmutz- und Regenwassersystems startete am entgegengesetzten Ende des Hauptstraßenzugs und ist noch im Gange. Die A. Frauenrath Bauunternehmen GmbH, Heinsberg, tauscht die Leitungen auf rund 750 Metern im „offenen“ Verfahren aus und wird zur Rückverfüllung unter anderem weitere etwa 1.000 Kubikmeter füma boden verwenden. Bis zu 4 Meter tiefe Leitungsgräben werden bis zur Unterseite der Tragschicht komplett mit dem Spezialbaustoff verfüllt. Am Tag nach dem Einbau ist die Fläche bereits begehbar und der weitere Oberbau kann in Angriff genommen werden. Auf zusätzlichen 300 Metern erfolgt die Sanierung im Inlinerverfahren ohne oberirdische Bauaktivitäten.
 |
ARGE-Projektleiter Johannes Steinhauer |
Nach Sven Kauffels, Vertriebsaußendienstmitarbeiter Geschäftsbereich Transportbeton Region Nordrhein-Euregio der CEMEX Deutschland AG, kommt die Wahl von füma boden auch der Rohrstatik zugute: „Es gibt keine Hohlstellen und die Rohre sind gut unterfüttert. Da das Material zementgebunden, also alkalisch ist, ist auch ein Wurzeleinwuchs nicht so leicht möglich. Der geräuscharme verdichtungsfreie Einbau und der Baufortschritt gestalten sich zur vollsten Zufriedenheit unserer Auftraggeber.“
Die sanierungsbedürftigen Abwasserrohre vom Anfang des 20. Jahrhunderts sind übrigens bei weitem nicht die ältesten im historisch reichen Neuss, die die Baumaßnahme zutage förderte: Die Tiefbauer stießen Mitte Februar auf Spuren ihrer mittelalterlichen Kollegen und gruben einen Abwasserkanal aus dem 13. Jahrhundert aus – nach Einschätzung der Stadtarchäologin eine kleine Sensation, waren Experten doch bisher davon ausgegangen, dass es in den niederrheinischen Städten abgesehen von Köln im Mittelalter keine Entwässerung gegeben hatte.
|